Veranstaltungen

Tagung Wettbewerb und Organisation – Vergleichende Perspektiven

Aus dem Arbeitskreis heraus wird eine gemeinsame Tagung der Sektionen Wissenschafts- und Technikforschung und Organisationssoziologie organisiert. Im Mittelpunkt der Tagung stehen vergleichende Perspektiven auf den Wettbewerb in, durch und zwischen Organisationen. Die Tagung findet vom 24.-25.11.2022 in Berlin statt.

Hier das Programm:

Summer School “Making Theory Work in Higher Education Research and Science Studies”

In der vom BMBF geförderten Summer School-Reihe Higher Education Research and Science Studies (HERSS) wurde aus dem Arbeitskreis heraus eine Summer School zum Thema “Making Theory Work in Higher Education Research and Science Studies” organisiert. Die Summer School fand vom 06.-10. September 2021 im digitalen Format statt und war mit gut 50 Teilnehmenden sehr gut besucht.

Während das Handwerk methodischer Arbeit und empirischer Forschung im Allgemeinen nicht selten offen gelegt wird, bleibt die Theoriearbeit oft implizit. Das gilt für die sozialwissenschaftliche Forschung im Allgemeinen wie für die Wissenschafts- und Hochschulforschung im Besonderen. Ziel der Summer School war es, die Arbeit mit und an Theorien explizit zu machen.

Die internationale und interdisziplinäre Summer School gab early career researchers aus der Wissenschafts- und Hochschulforschung die Möglichkeit, das Handwerk des Theoretisierens zu diskutieren, Möglichkeiten und blinde Flecken der eigenen Theoriearbeit zu thematisieren und den Stellenwert und die Relationen von Theorie(n) in der eigenen Forschung offen zu legen. Das Programm der Summer School enthielt Keynotes, verschiedene Workshops sowie Vorträge und Posterdiskussionen der Teilnehmenden.

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die ursprünglich für den Sommer 2020 geplante Summer School auf den September 2021 verschoben. Zum eigentlich geplanten Termin fand ein Virtual Warm-up Event statt, in dem Organisator*innen der Workshops ihre Konzepte vorstellen und die Organisator*innen der Summer School die Idee hinter “Making Theory Work” präsentieren konnten.

Die Summer School wurde aus dem Arbeitskreis heraus von Julian Hamann und Anna Kosmützky sowie von Christian Imdorf organisiert.

Ad-hoc-Gruppe Meritokratie: Ausprägungen und Paradoxien eines gesellschaftlichen Leitbildes am Beispiel von Wissenschaft und Hochschule

Aus dem Arbeitskreis heraus wird auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) eine Ad-hoc-Gruppe zum meritokratischen Prinzip in der Wissenschaft organisiert.

Meritokratie ist eine fundamentale Norm funktional differenzierter Gesellschaften. Insbesondere für eine “Gesellschaft unter Spannung”, so der Titel des DGS-Kongresses, leistet das meritokratische Prinzip einen wesentlichen Beitrag zur Herstellung sozialer Ordnung.

Die Ad-hoc-Gruppe setzt voraus, dass soziale Ordnung in der Regel sowohl anhand meritokratischer als auch nicht-meritokratischer Faktoren hergestellt wird. Von größerem Interesse ist das Spannungsverhältnis, das aus der weithin unumstrittenen Gültigkeit des meritokratischen Prinzips und seiner in der Regel unzureichenden Verwirklichung entsteht. Um diesem Spannungsverhältnis nachzugehen, führt die Ad-hoc-Gruppe bislang eher unverbunden nebeneinanderstehende Stränge der Bewertungs- und Ungleichheitssoziologie zusammen und fragt nach verschiedenen Ausprägungen und Paradoxien meritokratischer Vorstellungen: Wie genau werden verschiedene Leistungsbegriffe inter-pretiert und in Passung gebracht? Welche praktischen Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung des meritokratischen Prinzips? Inwiefern konkurriert es mit alternativen Bewertungs-, Sanktions- und Legitimationsprinzipien?

Als Anwendungsfall für die Untersuchung dieser Fragen dient der Ad-hoc-Gruppe das Wissenschafts- und Hochschulsystem, dessen Affinität für das meritokratische Prinzip sich auf verschiedenen Ebenen zeigt: Auf systemischer Ebene initiieren etwa Universitätsrankings und die deutsche Exzellenzstrategie Wettbewerbe zwischen Hochschulen und machen Leistung zu einem zentralen Ordnungsprinzip der Hochschullandschaft. Auf organisationaler Ebene werden Fakultäten oder Institute bei der leistungsorientierten Mittelvergabe an ihren Leistungen gemessen und im Rahmen universitärer Profilbildungsprozesse in ein Wettbewerbsverhältnis gesetzt. Die Einführung von Leistungszulagen in der Professor*innenbesoldung, Forderungen nach konkreten Leistungsindikatoren im Rahmen von Berufungsverfahren sowie die Einführung von Junior- und Tenure-Professuren mit angeschlossenen Evaluationsverfahren weisen schließlich auf die hohe Bedeutung des meritokratischen Prinzips auf Ebene einzelner Wissenschaftlerinnen hin.

Ein breiter Forschungsstand zeigt jedoch für alle drei Ebenen, dass Leistung immer auch mit anderen Einflussfaktoren (bspw. Geschlecht und sozialer Herkunft), Allokationslogiken (bspw. Matthäus-Effekt) und Ordnungsprinzipien (bspw. Diversität) konkurriert. Hier setzt die Ad-hoc-Gruppe mit bewertungs- und ungleichheitssoziologischen Perspektiven an um zu untersuchen, wie das Leistungsprinzip angesichts seiner Deutungsoffenheit, trotz seiner so offensichtlich mangelhaften Umsetzung und in Konkurrenz mit anderen normativ wirkmächtigen Prinzipien seine zentrale ordnungsstiftende Funktion erhält.

Die Ad-hoc-Gruppe besteht aus fünf Vorträgen: Ein erster, konzeptuell-einführender Beitrag von Uwe Schimank schlägt eine Brücke zwischen der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung von Meritokratie und ihrem Stellenwert in der Wissenschaft. Die weiteren Beiträge adressieren Ausprägungen und Paradoxien meritokratischer Prinzipien auf verschiedene Ebenen des Wissenschafts- und Hochschulsystems. Der Beitrag von Lena M. Zimmer wird Fachkulturen im Spannungsfeld zwischen historisch gewachsenen Ideen von Leistung und neuen globalen Leistungsindikatoren diskutieren. Frank Meier wird in seinem Beitrag zeigen, wie bei der universitären Profilbildung fachliche Entscheidungen anhand meritokratischer Prinzipen legitimiert werden. Die Vereinbarung professioneller und organisationaler Leistungsbegriffe thematisiert der Beitrag von Melike Janßen. Abschließend zeigt der Beitrag von Julian Hamann, wie das Leistungsprinzip in Berufungsverfahren mit weniger leistungsorientierten Bewertungskriterien wie etwa sozialer Passung konkurriert.

Die Ad-hoc-Gruppe findet am 16.09.2020 von 13:30 bis 16:30 Uhr statt. Sie wird von Julian Hamann und Lena M. Zimmer organisiert.

CfP Workshop “Organisierte Wissenschaftler*innen? Reformdynamiken im deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystem und ihre Wirkungen auf die akademische Profession”

Die Frühjahrstagung des Arbeitskreises findet am 28./29. Mai 2020 an der Technische Universität Berlin statt.

Im Zentrum der Tagung soll die Frage stehen, wie die zahlreichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte sich auf den Beruf „Wissenschaftler*in“ auswirken. Wenngleich die politischen Reformen seit Mitte der 1990er Jahre durchaus vielfältig und konträr wirken, so deutet vieles auf eine grundlegende Veränderung im Verhältnis von Wissenschaftler*innen zur Hochschule hin. Die Produktion und Vermittlung wissenschaftlichen Wissens werden zunehmend durch und mit der Hochschule organisiert. Nicht vergessen werden darf dabei aber, dass in der traditionellen Sozialpartnerschaft von Staat und akademischer Profession die Wissenschaftler*innen sowohl Hochschul- und Wissenschaftspolitik (z. B. DFG, HRK und Wissenschaftsrat) als auch die Umsetzung in Forschung, Lehre und Wissens- und Technologietransfer in den Hochschulen aktiv mitgestalten.

Das Organisieren von Wissenschaftler*innen ist dabei nicht als ein kausaler Wirkprozess, sondern als ein Zusammenspiel disparater Dynamiken im Hochschul- und Wissenschafts-system und ihrer Übersetzung auf Hochschulebene zu verstehen: Strukturreformen und kompetitive Förderprogramme in bisher ungekanntem Umfang befördern Ent- und Neudifferenzierungen von Hochschulen und Hochschultypen. Forschung wird neu organisiert, beispielsweise hinsichtlich ihres Beitrags zur Profilbildung ganzer Hochschulen. Kennzahlen und Leistungsmessung, beispielsweise in Form von Publikationsindizes, Patenten und Drittmittel-einkommen verändern die Art und Weise der Wissenserzeugung und -bewertung. Ebenso wird die Lehre in gesamtorganisationale Strategien eingebettet, um ihre Qualität, Internationalität und Diversität zu sichern. Organisationale und individuelle Veränderungen greifen mehr und mehr ineinander. Das betrifft beispielsweise die Heterogenisierung der Promotionsstrukturen durch Promotionsstudiengänge und Graduiertenzentren und das Organisieren des gesellschaftlichen Transfers von Technologie und Wissen.

Die knappen Beispiele deuten darauf hin, dass die “Einsamkeit und Freiheit” von Wissenschaftler*innen immer mehr sowohl auf der System- und als auch der Hochschulebene organisiert wird. Die wissenschaftliche Praxis in Forschung, Lehre und Wissens- und Technologietransfer wird zum Gegenstand organisationaler Praktiken gemacht, die von Wissenschaftler*innen reproduziert, aber zugleich auch modifiziert, ignoriert oder unterlaufen werden können. Diese Praktiken sind dabei aber nicht zuletzt auch immer ein Wirken der eigenen Profession auf sich selbst.

Für die Tagung laden wir theoretische oder theoriegeleitete empirische Beiträge ein, welche in zeitdiagnostischer oder historischer Perspektive die (kaum kausal zuschreibbare) Wirksamkeit von Reformen der Hochschul- und Wissenschaftspolitik über die organisationale auf die individuelle Ebene der Wissenschaftler*innen analysieren.

Bitte sendet euren / senden Sie Ihren Abstract (PDF, max. eine Seite exkl. Literatur) bis einschließlich 26. Januar 2020 unter Betreff: “Frühjahrstagung 2020 AK WiHo” per E-Mail an schneijderberg[at]incher.uni-kassel.de

Das Organisationsteam setzt sich zusammen aus: Susanne Wollin-Giering (TU Berlin), Roland Bloch (Universität Halle-Wittenberg), Nicolai Götze (INCHER, Universität Kassel), Alexander Mitterle (Universität Halle-Wittenberg) und Christian Schneijderberg (INCHER, Universität Kassel).