CfP Workshop “Organisierte Wissenschaftler*innen? Reformdynamiken im deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystem und ihre Wirkungen auf die akademische Profession”

Die Frühjahrstagung des Arbeitskreises findet am 28./29. Mai 2020 an der Technische Universität Berlin statt.

Im Zentrum der Tagung soll die Frage stehen, wie die zahlreichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte sich auf den Beruf „Wissenschaftler*in“ auswirken. Wenngleich die politischen Reformen seit Mitte der 1990er Jahre durchaus vielfältig und konträr wirken, so deutet vieles auf eine grundlegende Veränderung im Verhältnis von Wissenschaftler*innen zur Hochschule hin. Die Produktion und Vermittlung wissenschaftlichen Wissens werden zunehmend durch und mit der Hochschule organisiert. Nicht vergessen werden darf dabei aber, dass in der traditionellen Sozialpartnerschaft von Staat und akademischer Profession die Wissenschaftler*innen sowohl Hochschul- und Wissenschaftspolitik (z. B. DFG, HRK und Wissenschaftsrat) als auch die Umsetzung in Forschung, Lehre und Wissens- und Technologietransfer in den Hochschulen aktiv mitgestalten.

Das Organisieren von Wissenschaftler*innen ist dabei nicht als ein kausaler Wirkprozess, sondern als ein Zusammenspiel disparater Dynamiken im Hochschul- und Wissenschafts-system und ihrer Übersetzung auf Hochschulebene zu verstehen: Strukturreformen und kompetitive Förderprogramme in bisher ungekanntem Umfang befördern Ent- und Neudifferenzierungen von Hochschulen und Hochschultypen. Forschung wird neu organisiert, beispielsweise hinsichtlich ihres Beitrags zur Profilbildung ganzer Hochschulen. Kennzahlen und Leistungsmessung, beispielsweise in Form von Publikationsindizes, Patenten und Drittmittel-einkommen verändern die Art und Weise der Wissenserzeugung und -bewertung. Ebenso wird die Lehre in gesamtorganisationale Strategien eingebettet, um ihre Qualität, Internationalität und Diversität zu sichern. Organisationale und individuelle Veränderungen greifen mehr und mehr ineinander. Das betrifft beispielsweise die Heterogenisierung der Promotionsstrukturen durch Promotionsstudiengänge und Graduiertenzentren und das Organisieren des gesellschaftlichen Transfers von Technologie und Wissen.

Die knappen Beispiele deuten darauf hin, dass die “Einsamkeit und Freiheit” von Wissenschaftler*innen immer mehr sowohl auf der System- und als auch der Hochschulebene organisiert wird. Die wissenschaftliche Praxis in Forschung, Lehre und Wissens- und Technologietransfer wird zum Gegenstand organisationaler Praktiken gemacht, die von Wissenschaftler*innen reproduziert, aber zugleich auch modifiziert, ignoriert oder unterlaufen werden können. Diese Praktiken sind dabei aber nicht zuletzt auch immer ein Wirken der eigenen Profession auf sich selbst.

Für die Tagung laden wir theoretische oder theoriegeleitete empirische Beiträge ein, welche in zeitdiagnostischer oder historischer Perspektive die (kaum kausal zuschreibbare) Wirksamkeit von Reformen der Hochschul- und Wissenschaftspolitik über die organisationale auf die individuelle Ebene der Wissenschaftler*innen analysieren.

Bitte sendet euren / senden Sie Ihren Abstract (PDF, max. eine Seite exkl. Literatur) bis einschließlich 26. Januar 2020 unter Betreff: “Frühjahrstagung 2020 AK WiHo” per E-Mail an schneijderberg[at]incher.uni-kassel.de

Das Organisationsteam setzt sich zusammen aus: Susanne Wollin-Giering (TU Berlin), Roland Bloch (Universität Halle-Wittenberg), Nicolai Götze (INCHER, Universität Kassel), Alexander Mitterle (Universität Halle-Wittenberg) und Christian Schneijderberg (INCHER, Universität Kassel).

CfP Workshop “Digitalisierte Bewertung in Hochschule und Wissenschaft”

Am 14.-15. November 2019 findet an der HU Berlin ein Workshop mit dem Titel “Digitalisierte Bewertung in Hochschule und Wissenschaft. Neue Formen der evaluativen Selbst- und Fremdbeobachtung in Forschung, Lehre und Administration” statt. Der Workshop wird von Bernd Kleimann und Anne K. Krüger organisiert. Der CfP findet sich hier (Frist bis 30. Juni 2019).

Frühjahrstagung der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung

Die diesjährige Frühjahrstagung der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung am 23. und 24. Mai 2019 beschäftigt sich mit dem Thema: „Schnittstellen der Wissenschafts- und Hochschulforschung: Methoden, Theorien und empirische Zugänge“.

Die Tagung wird von Mitgliedern des Arbeitskreises Wissenschafts- und Hochschulforschung organisiert und findet am Forum Internationale Wissenschaft (FIW) der Universität Bonn statt. Wir freuen uns auf folgende Beiträge:

Analyseebenen und Arbeitsteilung an der Schnittstelle Wissenschafts- und Hochschulforschung: Wettbewerb, Infrastruktur, Design

„Wettbewerb“ im Fokus der Wissenschafts- und Hochschulforschung: Methodologische Arbeitsteilung und Potenziale
Stephanie Beyer, Tobias Bochmann, Michael Borggräfe, Julian Hamann, Anna Kosmützky (LCSS Hannover)

Digitale Infrastrukturen als Brückengegenstand der Wissenschafts- und Hochschulforschung
Niels Taubert (U Bielefeld)

Corporate Design als Governanceinstrument: Eine thematische Analyse von Designhandbüchern an deutschen Universitäten
Angela Graf (TU München), Klarissa Lueg (U Southern Denmark)

Einheit und Differenz: Quantifizierung und Metrifizierung im Hochschulsektor

Appreciating difference or creating similarity? Notions of equality embodied in higher education quantification instruments
Maarten Hillebrandt (U Bielefeld)

Die Selbst-Metrifizierung von Wissenschaftler*innen an deutschen Hochschulen: Eine Studie des Publikationsverhaltens von 1992–2018
Lars Müller, Christian Schneijderberg, Nicolai Götze (INCHER, U Kassel)

Separation oder Integration: Zum Verhältnis von Forschung und Lehre

New Public Management und die voranschreitende Separation von Forschung und Lehre? Ergebnisse aus dem Projekt LILF
Melike Janßen und Uwe Schimank (U Bremen)

Epistemische Eigenschaften von Forschungsprozessen und Wissen beeinflussen die Formen der Integration von Lehre und Forschung
Susanne Wollin-Giering und Jochen Gläser (TU Berlin)

Fishbowl: Same, same, but different? Potenziale und Fallstricke der Wissenschafts- und Hochschulforschung in Deutschland
Moderation: David Kaldewey (FIW, U Bonn). Impulsstatements von Martina Franzen (WZB, Berlin), Anne K. Krüger, (DZHW/HU Berlin), Alexander Mitterle (U Halle-Wittenberg) und Justin Powell (U Luxemburg)

Hochschullehrende als Schnittstelle zwischen Reform, Organisation und Disziplin

Die Praxis akademischer Lehre als Schnittstelle von Disziplin und Organisation: Eine vergleichende Analyse der Habitusformationen von Lehrenden
Peter Münte und Claudia Scheid (PH Bern)

Die diskursive Position der Lehrenden vor dem Hintergrund komplexer Transformationsprozesse
Katharina Mojescik, Jessica Pflüger und Caroline Richter (RU Bochum)

Wissenschaftliche Bewertungs- und Selektionsprozesse

Die Rolle der externen Begutachtung in Berufungsverfahren an deutschen Universitäten
Lisa Walther (DZHW) und Maren Klawitter (HBK Braunschweig)

Die Selektion von ForscherInnen und ihre Ausstattung als Schnittstelle
Grit Laudel (TU Berlin)

Wissenschaftliche Praxis zwischen Organisation und scientific community am Beispiel der DoktorandInnenausbildung an deutschen Universitäten
Roland Bloch (U Halle-Wittenberg)

Zur Transformation wissenschaftlicher Disziplinen

Struktur und Dynamik des Feldes deutscher Soziolog*innen
Christian Schmidt-Wellenburg (U Potsdam), Andreas Schmitz (U Bonn)

Institutionalisierungsparadox Geschlechterstudien – Einzelfall oder paradigmatische Entwicklung?
Aline Oloff (TU Berlin)

Qualitative Methoden zwischen Hochschul- und Wissenschaftsforschung – Eine Metaanalyse
Laura Behrmann, Daniel Völk, Adisa Beširović, Dilek İkiz-Akıncı, Veronika
Rückamp (DZHW)

Programm der Frühjahrstagung

Programm der Sektionsveranstaltung des Arbeitskreises

Mitglieder des Arbeitskreises organisieren auf dem DGS-Kongress in Göttingen eine Veranstaltung der Sektion ‘Wissenschafts- und Technikforschung’ mit dem Titel: “Der Zusammenhang von Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens. Zur Neukonfiguration des Verhältnisses zwischen Hochschule und Wissenschaft”.

Wir freuen uns auf folgende Beiträge:

Georg Krücken (Kassel):

Wettbewerbsakteure

Jennifer Dusdal (Luxemburg), Achim Oberg (Mannheim), Justin J.W. Powell (Luxemburg):

Das Verhältnis zwischen Hochschule und Wissenschaft in Deutschland im globalen Kontext: Expansion – Produktion – Kooperation

Alexander Mitterle (Freiburg):

Universitäre Elitebildung in Deutschland? Eine disziplinbezogene Re-Perspektivierung am Beispiel der Betriebswirtschaftslehre

Kay Felder (München), Ruth Müller (München):

Wie Gutachter/innen für den Europäischen Forschungsrat (ERC) den Begriff der Exzellenz im Rahmen der Bewertung von Nachwuchswissenschaftler/innen interpretieren und verhandeln

Zeit und Ort der Veranstaltung:

Dienstag, 25.09.2018, 14:15-17:00 Uhr, Raum VG 3.103

 

Kollektive Standortbestimmung

Anfang April 2018 ist nach Zusammenarbeit von fast 20 AutorInnen eine gemeinsame, forschungsbezogene Standortbestimmung zu den aktuellen Herausforderungen von Wissenschafts- und Hochschulforschung in der Soziologie 47(2) erschienen.

Zusammenfassung: In den letzten Jahren ist im deutschen Sprachraum, abweichend von der internationalen Nomenklatur, vermehrt von »Wissenschafts- und Hochschulforschung« die Rede. Angezeigt ist damit die Suche nach einem Überbegriff für die diversen sozialwissenschaftlichen Perspektiven auf Wissenschaft und Universität. Vor diesem Hintergrund versteht sich der vorliegende Beitrag als kollektive Standortbestimmung. Anhand von sieben Forschungsagenden zeigen die Autor/innen das Potenzial einer stärkeren Verbindung von Wissenschafts- und Hochschulforschung. Die sieben Agenden bilden zum einen Fragen und Probleme ab, die der aktuelle Forschungsstand aufwirft, zum anderen zeigen sie Relevanz der soziologischen Perspektive für die theoretische und methodische Integration der beiden Forschungsfelder.

Abstract: In recent years, social science perspectives that are concerned with academic re-search and higher education have increasingly been subsumed under the umbrella term »science and higher education studies« – a peculiar German category that is uncommon in the international context, where »science and technology studies« and »higher education studies« are developing rather independently from each other. Against this background, the current paper documents a discussion of several scholars from both science and higher education studies. Sketching seven research agendas, the contribution identifies fields of study for which a closer interaction between the two fields would be beneficial. On the one hand, these agendas highlight open questions of the current state of research. On the other hand, the agendas illustrate how a sociological perspective can contribute to integrating science and higher education studies both theoretically and methodologically.

Sektionsveranstaltung Göttingen 2018

Der AK Wissenschafts- und Hochschulforschung wird eine Sektionsveranstaltung der Sektion Wissenschafts- und Technikforschung auf dem DGS-Kongress 2018 in Göttingen organisieren. Hier ist der Call for Papers:

Der Zusammenhang von Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens.

Zur Neukonfiguration des Verhältnisses zwischen Hochschule und Wissenschaft

Die wissenschaftliche Wissensproduktion und die Organisation Hochschule als einer ihrer zentralen Orte sind eng miteinander verflochten. So sind Produzenten wissenschaftlichen Wissens sowohl in organisationalen Hierarchien als auch in fachwissenschaftlichen Communities verankert. Sie sind beispielsweise zugleich W3-Professorin und international anerkannte Expertin in ihrem Fachgebiet. Entsprechend sind auch Publikationen nicht nur Medium der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, sondern gleichzeitig in der Hochschulgovernance zum Einsatz kommende quantifizierte Leistungsmarker. Hochschulen verfügen über ein Arsenal an organisationalen Rollen und Entscheidungslogiken; sie sind aber auch ein Ort, an dem wissenschaftliches Wissen produziert, zur Diskussion gestellt und vermittelt wird. Organisationale Strukturen, Programme und Hierarchien an Hochschulen sind dementsprechend maßgeblich und an vielen Stellen mit der wissenschaftlichen Wissensproduktion verflochten, wohingegen die „Produkte“ wissenschaftlichen Wissens Faktoren für Entscheidungen in Hochschulen und über Hochschulen sind. Diese Beispiele zeigen, wie grundlegend die Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens in Machtbeziehungen eingebettet sind.

Diese Machtbeziehungen sind aktuell im Wandel begriffen. Hochschul- und wissenschaftspolitische Steuerungsbemühungen der letzten 20 Jahre haben das Verhältnis von Wissenschaft und Hochschule neu konfiguriert. Sie forcieren Wettbewerb sowohl zwischen Wissenschaftler/innen als auch zwischen Hochschulen, richten die Produktion wissenschaftlichen Wissens an gesellschaftlichen Nützlichkeitskriterien aus und befördern die Transformation von Hochschulen in organisationale Akteure. Damit einher gehen zunehmende Ungleichheiten im Wissenschaftssystem: Hochschulen werden in einen Wettbewerb um knappe Ressourcen gesetzt und reagieren darauf etwa mit Profilbildung und weiteren Positionierungsstrategien; und für das wissenschaftliche Personal werden zum Beispiel quantitative Metriken immer mehr zu einer Referenz, die strategisch für die eigene Positionierung sowohl in der Hochschule als auch der scientific community genutzt wird.

Aus diesen Entwicklungen resultiert eine Reihe von Fragen, die in den Beiträgen zur Sektionsveranstaltung adressiert werden können:

  • Wie changieren Hochschulen zwischen den Referenzrahmen nationaler Hochschulsysteme und globaler world class universities? Inwiefern wirken sich diese Dynamiken auf organisationale Strukturen, auf soziale Ungleichheiten des wissenschaftlichen Personals wie auch auf situierte Wissenspraktiken aus?
  • Auf welche Weise ist die Produktion wissenschaftlichen Wissens mit dem zunehmend strategischen Agieren von Hochschulen bzw. ihrer Leitungen verflochten? Inwiefern sind beispielsweise die Wahl von Forschungsthemen, die Etablierung internationaler Kollaborationen oder auch die Rekrutierung reputierter Wissenschaftler/innen geprägt von organisationalen Positionierungsstrategien?
  • Wie verändern institutionelle Differenzierungsprozesse, beispielsweise zwischen forschungs- und lehrorientierten oder zwischen öffentlichen und privaten Hochschulen, die akademische Lehr- und Forschungspraxis?
  • Welche Konsequenzen haben die zunehmende Messung und Valorisierung individueller Forschungsleistungen und ihre Integration in organisationale Bilanzen und Entscheidungsprogramme (z.B. Personalrekrutierung)?

Ziel der Sektionsveranstaltung ist es, die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens in den Blick zu nehmen und anhand der hier skizzierten, aber auch weiterer Themen die Schnittmengen von Wissenschafts- und Hochschulforschung auszuloten.

Willkommen sind Vorträge, die sich mit der Neukonfiguration des Verhältnisses von Hochschule und Wissenschaft und mit daraus erwachsenden Effekten beschäftigen und auf diese Weise den Dialog zwischen Wissenschafts- und Hochschulforschung suchen. Von Interesse sind dabei auch Beiträge mit einer vergleichenden Perspektive zwischen Organisationen oder auch Hochschul- und Wissenschaftssystemen. Abstracts (max. eine Seite) können bis zum 31.03.2018 an akwiho@gmail.com gesendet werden.

Die Veranstaltung wird vom neu gegründeten Arbeitskreis Wissenschafts- und Hochschulforschung in der Sektion Wissenschafts- und Technikforschung organisiert. Organisator/innen: Roland Bloch (Halle), Martina Franzen (Berlin), Julian Hamann (Hannover), David Kaldewey (Bonn), Anna Kosmützky (Hannover) und Anne K. Krüger (Berlin).