Sektionsveranstaltung Göttingen 2018

Der AK Wissenschafts- und Hochschulforschung wird eine Sektionsveranstaltung der Sektion Wissenschafts- und Technikforschung auf dem DGS-Kongress 2018 in Göttingen organisieren. Hier ist der Call for Papers:

Der Zusammenhang von Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens.

Zur Neukonfiguration des Verhältnisses zwischen Hochschule und Wissenschaft

Die wissenschaftliche Wissensproduktion und die Organisation Hochschule als einer ihrer zentralen Orte sind eng miteinander verflochten. So sind Produzenten wissenschaftlichen Wissens sowohl in organisationalen Hierarchien als auch in fachwissenschaftlichen Communities verankert. Sie sind beispielsweise zugleich W3-Professorin und international anerkannte Expertin in ihrem Fachgebiet. Entsprechend sind auch Publikationen nicht nur Medium der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, sondern gleichzeitig in der Hochschulgovernance zum Einsatz kommende quantifizierte Leistungsmarker. Hochschulen verfügen über ein Arsenal an organisationalen Rollen und Entscheidungslogiken; sie sind aber auch ein Ort, an dem wissenschaftliches Wissen produziert, zur Diskussion gestellt und vermittelt wird. Organisationale Strukturen, Programme und Hierarchien an Hochschulen sind dementsprechend maßgeblich und an vielen Stellen mit der wissenschaftlichen Wissensproduktion verflochten, wohingegen die „Produkte“ wissenschaftlichen Wissens Faktoren für Entscheidungen in Hochschulen und über Hochschulen sind. Diese Beispiele zeigen, wie grundlegend die Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens in Machtbeziehungen eingebettet sind.

Diese Machtbeziehungen sind aktuell im Wandel begriffen. Hochschul- und wissenschaftspolitische Steuerungsbemühungen der letzten 20 Jahre haben das Verhältnis von Wissenschaft und Hochschule neu konfiguriert. Sie forcieren Wettbewerb sowohl zwischen Wissenschaftler/innen als auch zwischen Hochschulen, richten die Produktion wissenschaftlichen Wissens an gesellschaftlichen Nützlichkeitskriterien aus und befördern die Transformation von Hochschulen in organisationale Akteure. Damit einher gehen zunehmende Ungleichheiten im Wissenschaftssystem: Hochschulen werden in einen Wettbewerb um knappe Ressourcen gesetzt und reagieren darauf etwa mit Profilbildung und weiteren Positionierungsstrategien; und für das wissenschaftliche Personal werden zum Beispiel quantitative Metriken immer mehr zu einer Referenz, die strategisch für die eigene Positionierung sowohl in der Hochschule als auch der scientific community genutzt wird.

Aus diesen Entwicklungen resultiert eine Reihe von Fragen, die in den Beiträgen zur Sektionsveranstaltung adressiert werden können:

  • Wie changieren Hochschulen zwischen den Referenzrahmen nationaler Hochschulsysteme und globaler world class universities? Inwiefern wirken sich diese Dynamiken auf organisationale Strukturen, auf soziale Ungleichheiten des wissenschaftlichen Personals wie auch auf situierte Wissenspraktiken aus?
  • Auf welche Weise ist die Produktion wissenschaftlichen Wissens mit dem zunehmend strategischen Agieren von Hochschulen bzw. ihrer Leitungen verflochten? Inwiefern sind beispielsweise die Wahl von Forschungsthemen, die Etablierung internationaler Kollaborationen oder auch die Rekrutierung reputierter Wissenschaftler/innen geprägt von organisationalen Positionierungsstrategien?
  • Wie verändern institutionelle Differenzierungsprozesse, beispielsweise zwischen forschungs- und lehrorientierten oder zwischen öffentlichen und privaten Hochschulen, die akademische Lehr- und Forschungspraxis?
  • Welche Konsequenzen haben die zunehmende Messung und Valorisierung individueller Forschungsleistungen und ihre Integration in organisationale Bilanzen und Entscheidungsprogramme (z.B. Personalrekrutierung)?

Ziel der Sektionsveranstaltung ist es, die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens in den Blick zu nehmen und anhand der hier skizzierten, aber auch weiterer Themen die Schnittmengen von Wissenschafts- und Hochschulforschung auszuloten.

Willkommen sind Vorträge, die sich mit der Neukonfiguration des Verhältnisses von Hochschule und Wissenschaft und mit daraus erwachsenden Effekten beschäftigen und auf diese Weise den Dialog zwischen Wissenschafts- und Hochschulforschung suchen. Von Interesse sind dabei auch Beiträge mit einer vergleichenden Perspektive zwischen Organisationen oder auch Hochschul- und Wissenschaftssystemen. Abstracts (max. eine Seite) können bis zum 31.03.2018 an akwiho@gmail.com gesendet werden.

Die Veranstaltung wird vom neu gegründeten Arbeitskreis Wissenschafts- und Hochschulforschung in der Sektion Wissenschafts- und Technikforschung organisiert. Organisator/innen: Roland Bloch (Halle), Martina Franzen (Berlin), Julian Hamann (Hannover), David Kaldewey (Bonn), Anna Kosmützky (Hannover) und Anne K. Krüger (Berlin).